Rede von Bürgermeister Ladet am 16. Juli 2004

 

Sehr geehrte Damen und Herren,

 

Vor zwei Jahren war ich mit einer Delegation aus Mably in Wannweil, um gemeinsam mit Ihnen die Partnerschaft, die unsere beiden Gemeinden schon miteinander verbindet und die wir heute hier bei Ihnen bestätigen wollen, vorzubereiten.

 

Schon damals fühlten wir, wie stark die Verbindungen würden, die wir zwischen unseren beiden Gemeinden schaffen könnten. Wir haben uns nicht getäuscht. Im Gegenteil.

 

Bei dieser Partnerschaft haben wir von Anfang an, sowohl auf der Ebene der Gemeinde als auch durch die enge Zusammenarbeit mit unseren Partnerschaftkomitees, dem kulturellen Austausch und dem Austausch zwischen den Vereinen den Vorrang gegeben. Und das hat schon Früchte getragen.

 

Ihr Besuch bei uns in Mably im September des letzten Jahres hat uns ermöglicht, durch den Jungen Chor, Harold Fuhrmann, Funk Delicious und die Ausstellung einiger Werke von Frau Degenhardt zahlreiche Facetten des Kulturschaffens in Ihrem Land kennen zu lernen.

 

Heute werde ich, außer von den Gemeinderäten und den Mitgliedern des Partnerschaftskomitees, von Vertretern des kulturellen Lebens von Mably - unserem Orchester Tous dans le Vent, den Künstlern von CSADN Art und D'Art D'Art, deren Werke Sie hier schon an diesem Wochenende bewundern konnten, begleitet. Der Verein Culture et Loisirs ist auch vertreten, und zwar durch seinen Vorsitzenden und dessen Frau.

 

Ich werde auch weiterhin großen Wert legen auf den kulturellen Aspekt dieser Partnerschaft und den Anteil der Vereine an ihr. Dabei handelt es sich nicht um ein kurzes, episodenhaftes Treffen von langjährigen Vertretern der beiden Gemeinden. Es geht dabei vor allem darum, dass wir einander treffen und austauschen bzw. kennen lernen, was wir als Franzosen und Deutsche im künstlerischen Bereich zu leisten in der Lage sind. Jedes Volk kann nach Allgemeingültigen streben, wenn es versucht, dabei der Schönheit den Vorrang zu geben. Und gerade das Allgemeine vereint uns in dem, was wir als Menschen gemein haben, und lässt die Grenzen zwischen uns schwinden. Die Vereine zeigen durch ihre Aktivitäten, dass sie das sehr wohl verstanden haben. Wir wissen, dass sie Bindungen und sozialen Zusammenhalt schaffen. Diese Bindungen und dieser Zusammenhalt müssen heute unbedingt international greifen. Das zu erreichen versuchen wir jetzt und auch weiterhin, ganz bescheiden, aber mit Überzeugung. Weil am Ende der Frieden steht.

 

Die Teilnahme von Bundeskanzler Gerhard Schröder an den Feierlichkeiten zum 60sten Jahrestag der Landung der Alliierten in der Normandie im Juni 1944 ist so ein markantes Zeichen für einen dauerhaften Frieden, das von Ihrem Land ausgeht. Wir leben nicht mehr in der Vergangenheit. Sie gehört jetzt der Geschichte an. Sie ist Erinnerung. Die Gegenwart vereint uns, damit wir die Zukunft vorbereiten . Frieden setzt voraus, dass wir uns kennen. Dieses Kennen des Gegenübers beruhigt uns, denn das Anderssein wird uns vertraut. Die genaue Kenntnis vor allem der Kultur des Anderen lässt uns gegenüber politischen Ausrutschern, die immer noch möglich sind, wachsam sein.

 

Ich wünsche mir, dass wir auf diesem Weg gemeinsam weitergehen können. Bei unseren regelmäßigen Treffen werden wir gerade durch das Kennenlernen der Unterschiede zwischen uns bereichert werden, wobei ich vor allen Dingen auch an die Jüngeren denke, die eines Tages hier an unserer Stelle sein werden.

 

Aber wie soll man sich unsere Partnerschaft, die Kultur, ja den Frieden zwischen den Völkern vorstellen, ohne von dem immer größer werdenden Europa zu sprechen? Am 13. Juni waren wir aufgerufen, unsere Abgeordneten zu wählen. Die große Zahl der Nichtwähler hat uns aufgerüttelt. Europa betrifft uns unmittelbar, in unseren Werten, in unserem täglichen Leben, und es kann nicht auf Gleichgültigkeit gebaut werden. Sicher ist das Grund genug, um darüber nachzudenken, wie wir lernen, Europa zu bauen. Die Entscheidungszentren sind immer weiter entfernt, und wir müssen darüber nachdenken, und wenn wir nur die Rolle unserer Gemeinden, die uns von allen Institutionen am nächsten liegen, stärken und das Prinzip der Subsidiarität anwenden. In dieser so wichtigen pädagogischen Aufgabe spielt die Partnerschaft zweifelsohne ihre eigene Rolle.

 

Begleiten wir das werdende Europa mit einem wachsamen Blick. Möge es besonders jene, die in Schwierigkeiten sind - ob Länder oder Menschen - einschließen. Auch wünsche ich mir, dass seine Verfassung noch einmal zur Diskussion gestellt wird, damit wir wirksame und rechtmäßige Institutionen bekommen, die den demokratischen politischen Entscheidungen entsprechen.

 

Möge Europa für die Verteidigung der Menschenrechte eintreten und dabei die Achtung der Menschenwürde nie aus den Augen verlieren.

 

Möge es außerdem den Erhalt der Umwelt im Auge behalten sowie eine nachhaltige Entwicklung fördern, um unseren Kindern das Leben und Überleben in dieser Welt zu sichern.

 

Möge Europa auch die Qualität des öffentlichen Dienstes und die sozialen Rechte erhalten, die jedem Einzelnen den Zugang zu den Grundrechten erlauben, die die Entwicklung aller sichern.

 

Lasst uns schließlich und endlich nicht vergessen, dass wir den Ländern des Südens solidarisch Hilfe bei ihrer Entwicklung leisten sollten.

 

Unsere Partnerschaft und Europa sind gar nicht so weit von einander entfernt, wie es scheint. Europa gibt uns die Ziele vor, die wir sicherlich gemeinsam erreichen können, wobei wir auf die Dinge, die ich schon genannt habe, achten müssen.

 

Ich schließe mit dem Dank für den warmherzigen Empfang, den Sie uns bereitet haben. Ich danke ganz besonders Frau Bürgermeisterin Rösch und dem Gemeinderat, dem Vorsitzenden des hiesigen Partnerschaftskomitees, Herrn Christoph Sennert, und seiner Mannschaft, den Vereinen Wannweils sowie den Künstlern, die uns ihre zahlreichen Werke nahe gebracht haben.

 

Und ich möchte auch diejenigen erwähnen, die in Mably seitens der Gemeinde die ganze Arbeit gemacht haben; ganz besonders möchte ich Caroline Carruesco, Pierre Relave, Patrick Gallo und François Collonge nennen.

 

Außerdem grüße ich Martine Corcombet, die Präsidentin des Partnerschaftkomitees, und ihre Mannschaft.

 

Von den Vereinen geht mein Gruß an die Vertreter von Culture et Loisir, CSADN Art und D'ART D'ART und dem Orchester Tous dans le Vent.

 

Und schließlich grüße ich noch die Delegation aus unserer spanischen Partnergemeinde Puerto Lumbreras, Carmen Martessy, Carmen García, Carmen Terrone, und den Vertreter unserer englischen Partnergemeinde Wantage Grove, Mr. Keith Jones.

 

Gehen wir den Weg gemeinsam, um uns besser kennen zu lernen.

 

Vielen Dank.