Förderverein der Uhlandschule Wannweil e.V.

  
  
 
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
  
   Reutlinger Generalanzeiger                                     01. Dez. 2004

Förderung - Mit dem Lern- und Spielclub will die Wannweiler Uhlandschule den Pisa-Ergebnissen trotzen

»Ein Dienst an den Kindern«

VON SABINE DREHER                                                                       

WANNWEIL. Die drei Mädchen haben einen Vorsprung. "Ende" und "Yes" haben Dilara, Hysniye und Dilara aus ihren Buchstaben-Steinen bereits zusammengesetzt. Am Nachbartisch setzen Agonis und Cevher die erste Kombination zusammen. "Mos" ist auf dem Tisch in der Wannweiler Uhlandschule zu lesen. Sozialpädagogin Gerlinde Wicke-Naber lässt es nicht gelten. "Schaut im Wörterbuch nach", trägt sie den Jungs auf. Die Runde ist Teil des Lern- und Spielclubs, zu dem die Kinder sich an zwei Nachmittagen pro Woche treffen.

Insgesamt 24 Wannweiler Grundschüler nehmen in vier Gruppen an dem Programm teil. Für zwei Drittel der Kinder ist Deutsch nicht die Muttersprache. Der Club ist eine Kombination aus Haus-aufgaben-Betreuung und Sprachförderung, erklärt Schulleiterin Beatrice Bantlin. Eine Sozialpädagogin, eine ehemalige Lehramts-Studentin und eine erfahrene Hausaufgaben-Betreuerin lehren ihre Schützlinge, selbstständig die Schulaufgaben zu machen. Außerdem verbessern die Frauen mit Vorlesen, Spielen und Übungen den Wortschatz der Kinder.


Welche Wörter ergeben sich aus den Buchstaben? Dilara, Dilara, Hysniye und Gerlinde Wicke-Naber (v. l.) grübeln gemeinsam.          FOTO: BIN

Der Bedarf ist da, sagen Volker Steinmaier, Inken Zyschka und Martina Goerlich vom Förderverein der Schule, dem Träger des Lern- und Spielclubs. Vor zwei Jahren starteten die Vorsitzenden des Elternbeirats eine Umfrage unter den Grundschullehrern. Ergebnis: Etwa zehn Kinder pro Klassenstufe brauchen Hausaufgaben- oder Sprachhilfe.

Studie gibt ihnen Recht

Schließlich spreche auch das Ergebnis der neuen Pisa-Studie für sich, betont Goerlich. Bei dem Vergleichstest landeten deutsche Schüler im Bereich "Lesen und Textverständnis" im unteren Mittelfeld. Lehrer-Verbände hatten sich daraufhin für kleinere Schulklassen und gezielte Sprachförderung ausgesprochen. "Der Lern- und Spielclub zielt genau in diese Richtung", erklärt Goerlich. "In Wannweil haben wir zwei Grundschulklassen mit über 30 Kindern. Die können gar nicht alle aufgefangen werden."

Im vergangenen Herbst begann die neue Schulleiterin Bantlin mit der Suche nach Betreuungskräften für das Programm. Gleichzeitig gaben die Lehrer an, welche ihrer Schützlinge die Förderung am ehesten bekommen sollten. Im Februar 2004 startete der Club mit zunächst zwei Gruppen, zwei weitere kamen in diesem Schuljahr dazu. Im nächsten Halbjahr soll der Club auf sechs Gruppen aufgestockt werden. Mehr ist derzeit nicht drin, erklärt Bantlin.

Denn damit die externen Lehrkräfte mit den Kindern vernünftig arbeiten können, ist die Gruppengröße auf höchstens sechs Kinder beschränkt. Zudem ist die professionelle Betreuung nicht ganz billig. Rund 9.500 Büro kostet das Programm pro Jahr, rechnet Volker Steinmaier vor. Die Finanzierung erfolgt zum größten Teil über das Oberschulamt, das 5.000 Euro für die flexible Nachmittagsbetreuung zuschießt. Auch das baden-württembergische Innenministerium steuert im Rahmen der Lernhilfe für Kinder mit Deutsch als Zweitsprache l 400 Euro bei. Die Gemeinde Wannweil spendiert 1.600 Euro. Auch über Sachspenden wie Bücher, gut erhaltene Sprachspiele oder Kasperle-Puppen werden vom Förderverein gerne angenommen.

Erste Erfolge

Die Eltern beteiligen sich mit einer monatlichen Gebühr von fünf Euro an den Kosten. Im Gegensatz zur Kernzeitbetreuung, in die der Förderverein nur Kinder von Mitgliedern aufnimmt, gilt für den Lern- und Spielclub keine derartige Beschränkung. "Die Kernzeitbetreuung machen wir in erste Linie, um die Eltern zu entlasten", erklärt Steinmaier. "Der Club ist ein Dienst an den Kindern." Und die wiederum sehen die nachmittäglichen Treffen nicht als dröge Nachhilfestunden an. Im Gegenteil. "Manche Mitschüler waren richtig neidisch, dass die in den Club dürfen", berichtet Goehler vom Start des Programms.

Schulleiterin Bantlin hat bereits erste Erfolge der Hausaufgaben- und Sprachhilfe verzeichnet. Schulaufgaben etwa würden pünktlicher erledigt. "Die Kinder fühlen sich motivierter und können am nächsten Schultag befreiter loslegen." Zyschka hat von Eltern gehört, deren Kind nach dem ersten Diktat in diesem Schuljahr noch eine Fünf nach Hause gebracht habe; beim zweiten sei es schon eine Zwei-bis-Drei gewesen. (GEA)

 

     
  
  


Letzte Änderung 2005-Feb-04