Reutlinger Generalanzeiger
26. Mai 2006
Zum ersten Mal koordiniert der Förderverein die Ausflüge der
Wannweiler Uhlandschüler zur Kinder-Uni nach Tübingen.
»Es macht unheimlich
viel Spaß«
Forschungsreise in den Hörsaal
WANNWEIL. Knut Kircher kann sich kaum noch retten. Der Fifa-Schiedsrichter
aus Rottenburg ist von unzähligen Jungs und Mädchen umlagert. Alle wollen
ein Autogramm von ihm. Mit im dichten Gedränge sind auch 32 Schüler der
Wannweiler Uhlandschule. Die Chaos-Szene mit »Rudelbildung« spielt sich
allerdings nicht auf dem Fußballplatz ab, sondern mitten im Hörsaal des
Tübinger Kupferbaus. Es ist Kinder-Uni, und alle gehen hin.
Die Wannweiler Grundschüler sind schon im dritten Jahr dabei. Warum? »Es
macht unheimlich viel Spaß, dort zuzuhören«, erzählt die zehnjährige Julia
aufgeregt. Sie ist fast schon ein Kinder-Uni-Profi, denn sie »studiert«
schon im dritten Jahr. Am besten hat ihr die Vorlesung über die Fledermäuse
gefallen. Auch ihre Klassenkameradin Nora fand die Geschichte über die
kleinen Flieger, die mit ihren Ohren »sehen« toll.
Vorfreude auf die Vorlesung
Die Vorfreude auf die Vorlesung war schon auf dem Bahnsteig des Wannweiler
Bahnhofs zu spüren. Ausgelassen tollten die Jungs und Mädchen zwischen den
erwachsenen Begleitern und Organisatorin Sabine Jahraus vom Förderverein der
Uhlandschule herum.
Im Zug selbst herrschte dichtes Gedränge, denn nicht nur die Uhlandschüler
hatten sich an diesem Tag auf den Weg zur Kinder-Uni gemacht. In Tübingen
angekommen, war es gar nicht so leicht, nicht den Überblick zu verlieren.
Welches Kind gehört zu welcher Gruppe? Aber kein Problem für Jahraus und
ihre Mitstreiterinnen. Das Gewusel auf dem Bahnsteig löst sich schnell auf
und ab geht's in Richtung Kupferbau.
Der Bonbonstand im Bahnhof kann die Kinder (noch) nicht locken. Sie wissen,
vor der Vorlesung geht es zuerst einmal zum Eis-Italiener. Dort gibt es
jedesmal das obligatorische Kinder-Uni-Eis. Da funktioniert sogar das
Anstellen in Reih-und-Glied schneller als auf dem Schulhof.
Auf dem Weg zum Hörsaal ist noch Zeit für ein kurzes Gespräch. Wie ist es
denn so in der Kinderuni? »Manchmal witzig, manchmal aber auch langweilig«,
erzählt Julia, und ihre Mitschülerin Ellen nickt zustimmend. Und immer muss
man »sich sehr konzentrieren«. Aber meist ist es »richtig gut«.
Vor dem Kupferbau noch schnell zurechtgestellt für ein Gruppenfoto, dann
geht es zum Hörsaal. Drinnen versteht man kaum noch sein eigenes Wort. Fast
alle anderen Kinderstudenten sind inzwischen auch schon angekommen. Ein
Sponsor verteilt Blöcke und Stifte. Am Nebentisch drängeln sich die Kinder.
Hier wird der Kinder-Uni-Schein abgestempelt. Acht Stempel für acht
Vorlesungen gibt es insgesamt, wenn man fünf hat, darf man am Ende mit
abstimmen, welcher Professor es am besten gemacht hat.
Mit der Pfeife für Ruhe gesorgt
Das Thema an diesem Dienstag hieß »Warum blicken's manche Schiedsrichter
nicht?« Der Sportwissenschaftler Ansgar Thiel hatte für
seine »Kinderstunde« extra den Profi-Referee Knut Kircher mitgebracht. Ein
geschickter Schachzug, denn mit seiner Pfeife sorgte er auf humorvolle Weise
für Ruhe, wenn das kindliche Temperament etwas überschäumte.
Mehrere Gründe für schiedsrichterliches Nichtblicken lernten die Kinder:
Entweder steht der Pfeifenmann falsch oder er »liest« ein Spiel nicht
richtig oder er lässt sich von Spieler und Publikum beeinflussen und
manchmal geht alles so schnell, dass das menschliche Auge die Situation gar
nicht erfassen kann.
Nach der Vorlesung dauerte es einige Zeit, bis Jahraus und die elterlichen
Begleiter alle Kinder wieder um sich geschart hatten. Die Unruhe wuchs, denn
schließlich musste man rechtzeitig am Bahnhof sein. In diesem Jahr
organisierte der Förderverein der Uhlandschule zum ersten Mal alleine die
Ausflüge zur Kinderuni.
Am Dienstagabend nach der Rückkehr nach Wannweil ist Jahraus, die trotz
aller Hektik nie den Überblick verlor, zufrieden. Alle haben gut mitgezogen,
Kinder wie Begleiter. (vit)
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